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Registriert seit: 06.03.2007
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Diese Folge war meiner Meinung nach der absolute Knaller und da viele hier im Forum meine Meinung nicht teilen, möchte ich an dieser Stelle mal etwas ausholen.
Schon der Opener ist hervorragend. Stromberg stellt sich hier als unentbehrliche Fachkompetenz dar. Noch in Folge 3 hatte er das Gegenteil behauptet. Herrlich hierbei CMHs Mimik. Man sieht förmlich, wie sich der Kameramann bei Strombergs Worten einen grinst, dieser ihn verächtlich anguckt und sofort umschaltet. Das mit dem Locher „runterdrücken“ ist doch herrlich. Endlich mal wieder ein Wortspiel, dass man sich auf der Zunge zergehen lassen kann. Und dann rutscht Stromberg dazu noch ab. Ich wette das hat CMH improvisiert.
Auch das Wehmeyer nunmehr auf der „richtigen“ Seite zu stehen scheint ist natürlich die völlig richtige Entwicklung. Das seine Wandlung zu abrupt sei, finde ich nicht. Zwar nimmt er sich Stromberg ordentlich vor, aber er fährt auch Becker über den Mund, als dieser Stormberg weiter fertig machen will. Für mich stellt es sich eher so dar, dass Wehmeyer Stromberg hier nur unmissverständlich klarmacht, dass er positiv auffallen soll. Er will Stormberg also durchaus noch eine Chance geben, was wohl auch daran liegt, dass er mit seiner „wir-holen-Stromberg-zurück-Kampagne“ nicht scheitern möchte.
Dann die erste Szene mit dem Schild. Manche haben geschrieben, dass das völlig platt gewesen sei. Das Gegenteil ist der Fall. Erst mal beherzigt Stromberg Wehmeyers indirekten Rat und macht sich gleich daran einen positiven Auftritt zu konstruieren. Das er es natürlich gleich wieder übertreibt liegt in seiner Natur, denn wahrscheinlich arbeitet kein einziger Blinder bei der Capitol. Die Krönung ist doch aber, als Erika der Einäugigen die Tür ins Kreuz rammt und Stromberg fragt, ob sie denn KEINE AUGEN IM KOPF hätte. Und da liegt doch grade die Pointe der Szene. Stromberg macht sich scheinbar für die Rechte der Blinden stark und macht dann gleich bei der ersten Gelegenheit – wohl aber unbewusst – eine diskriminierende Bemerkung.
Der Spruch mit dem „keine Augen im Kopf“ kommt übrigens gleich in der nächsten Szene von Erikas Verehrer noch mal und zeigt, wie leichtfertig man als „normaler“ mit derartigen Formulierungen um sich wirft. Die Konstellation Erika/Außendienstler und Stromberg/Jochen finde ich auch handwerklich sehr reizvoll gemacht. Nicht umsonst werden die beiden Szenen hier am Anfang ineinander geschnitten. Sowohl Erika als auch Stromberg befinden sich nämlich in der höchst ungewohnten Situation, dass ihnen jemand auf ehrliche Weise sagt, dass er ihn/sie sympathisch findet. Dabei ist die Erika-Story meine Meinung nach lediglich ein Hilfsmittel, um die Parallele zur Stromberg-Handlung darzustellen, damit deutlich wird, in welcher Lage Stromberg sich befindet. Denn Erikas Situation ist für die meisten Zuschauer mit Sicherheit offensichtlicher greifbar.
Der erste Streit zwischen Ulf und Ernie ist jetzt weniger ergiebig, aber er bereitet zukünftige Pointen vor. Diesen Status muss man manchen Szenen eben auch mal zugestehen. Herrlich ist dann wie Stromberg und Jochen sich in Ernies Nähe so abfällig über ihn äußern, während Ernie durch Ulf abgelenkt ist und wie die beiden ihn für das Foto auf „versifft“ trimmen. Klasse auch wie Stromberg sich durch das parallele Interview mal wieder selbst als Ego-Schwein enttarnt. Und die Sache mit dem Kaktus, als er „etwas bewegen möchte“ ist das i-Tüpfelchen. ^^
Erikas Romanze hat wie gesagt für mich keine weitere große Bedeutung. Nett ist aber ihre Hitzewallung auf dem Bürostepper und auch so kleine Details, wie der eingeblendete Kollege, der grad bei Solitär gewonnen hat und dann in der Gegend rumschaut.
Die nächste Szene ist die im Besprechungsraum. Bei einer so offensichtlichen Comedy-Einlage ist wichtig, dass alle Sprüche auch sitzen und das tut hier jeder einzelne. Es wird auch noch mal deutlich, dass Stromberg wirklich darum bemüht ist einen guten Eindruck auf der Chefetage zu hinterlassen, als er die Aktion als Wiedergutmachung für seine Bemerkungen bezeichnet auch wenn natürlich klar ist, dass das nicht seine tiefe Überzeugung ist.
Ulfs Pornospruch in der nächsten Szene mit "gemästet und geschändet" fand ich schon ziemlich hart, zeigt aber auch schlicht und effektiv seine Grundhaltung gegenüber der ganzen Kampagne ist.
Noch ein paar kleine Details. Stromberg sagt tatsächlich zu Becker, dass er eine Kampagne "gegen" Ausländer macht.
Und woher stammt eigentlich die Info, dass Jochen nicht das "alte Scheißhaus" aus der Buchhaltung ist. Wäre doch schon ein sehr komischer Zufall, dass Sabbel, deren Chef ja jenes "Scheißhaus" war, ausgerechnet in dieser Episode einen Auftritt hat. Besonders konstruktiv war der ja auch nicht. Ihren Part hätte auch jemand von den Stammkräften übernehmen können. Ich sehe das eher so, dass Sabbel als kleine Erinnerung an eben jene Folge ist, für alle die, die Jochen nicht mehr als das "alte Scheißhaus" in Erinnerung hatten. Auch sonst sehe ich keine Logikfehler in der Theorie. Das die beiden sich letztendlich prima verstehen, könnte man als ironische Wendung im Drehbuch betrachten. Und aus dem damaligen Telefonat konnte man ja schließen, dass sich Stromberg und Jochen überhaupt nicht kannten und Stromberg nur vor Tanja einen auf dicke Hose machen wollte. Wahrscheinlich hat Jochen das Telefonat einfach abgehakt und vergessen, was die unvorbelasteten Anfangsszenen erklärt.
Und zum Abschluss noch eine Frage: Warum nennt der Autor die jetzige Figur ausgerechnet Jochen, obwohl der Name schonmal aufgetaucht war, wenn nicht derselbe gemeint ist??? Und erzählt mir nicht, dass sei ein Versehen gewesen.
Nächstes Thema. Ist Erika noch "aktiv" verheiratet, d.h. flirtet sie gerade mehr oder weniger fremd, oder lebt sie getrennt/ist geschieden/verwitwet? Da wäre ja sogar noch ein Ansatzpunkt, der der Erika-Story eine ganz eigene Dynamik verleiht.
Genial war dann wieder der Auftritt von Stromberg/Jochen nach der durchzechten Nacht. "Ich muss schiffen wie ein Brauereipferd!" kam so richtig schön aus der Hüfte geschossen. Und als dann Jochen gleich mit aufs Klo rennt, zeichnete sich schon ab, wohin das Ganze gehen sollte.
In der nächsten Szene schneidet sich Ernie tatsächlich im Büro die Nasenhaare (!). Und wer genau hinhört, bemerkt seinen (vom Autor) gewollten Versprecher: "...das dicke Eri.. äh Ende kommt noch Erika!"
Als Herr Pötsch Stromberg sagt, dass Jochen schwul ist, zeigt sich dann endgültig, wie es um Strombergs Antidiskriminierungshaltung wirklich steht. Statt zu sagen "na und, ist doch egal" sucht nach möglichen Gründen, dass Pötsch und Sabbel sich das nur einbilden. Und selbst möchte er schon gleich gar nicht mit einem Schwulen in Verbundung gebracht werden. Im direkten Gespräch mit Jochen wirds dann noch deutlicher: "...du bist soch jetzt nicht wirklich schwul...". Jochen selbst zitiert übrigens den schon von Pötsch genannten Westerwelle, bei seinem Coming-out.
Es folgt ein schöner Monolog über Schwule und Ehe, mit so Perlen wie "Frauen sind ja meisten auch Mist, muss man mal ganz klar so sehen!" oder "...nur wer verheiratet ist weiß was es heißt zu hassen!".
Bei der Küchenszene, hatte ich einen Moment lang mit dem Gedanken gespielt, dass Stromberg vielleicht der einzige sein würde, der Erika ein richtiges Date zutraut. Man darf ja mal abwegige Wünsche hegen. ^^ Auf jeden hätte ichs interessant gefunden. War allerdings auch gut gemacht, wie er im Zusammenspiel mit Ulf noch auf den Zug mitaufspringt. In der Küche geraten plötzlich alle Konflikte in einen Topf, jeder schubst jeden und Wehmeyer stört die Szene für meinen Geschmack etwas zu früh. Trotzdem ein Highlight.
Nun folgt die entscheidende Szene der Folge. Wehmeyers Begründung für seinen Aufstand ist gleichermaßen nachvollziehbar wie beklemmend. Mit der Verabschiedung des Antidiskriminierungsgesetzes hat man erreicht, dass das Thema nun öffentlich weitgehend tabuisiert wird. Schade eigentlich. Ein schönes Beispiel für einen juristischen Querschläger. Wehmeyer hätte Stromberg auch unter Berufung auf die Fernsehausstrahlung der Dokumentation und deren Außenwirkung zurückpfeifen können, denn da war ja von Antidiskriminierung nichts mehr zu sehen. Die Autoren wählten hier aber den unbequemeren Weg. Dafür Respekt.
Das Stromberg Wehmeyer über Jochens Homosexualität informiert nur um seine Haut zu retten könnte man durchaus so interpretieren. Wehmeyer rennt ja auch gleich zu Jochens Vorgesetztem und sorgt dafür, dass Jochen mundtot gemacht wird. Das liegt natürlich daran, dass Stromberg Jochen als Urheber der Aktion vorgeschoben hat. Es lag aber nun an Wehmeyer Jochens Schwulsein zu benutzen oder nicht. Das er es tat spricht auf jedenfall gegen ihn. Er wollte einfach nur möglichst schnell Ruhe und bedient sich des einfachsten Weges.
Mein erster Eindruck war aber, dass Stromberg zwar Jochen vorschiebt, er sein Schwulsein aber nicht in der Absicht äußert Schaden zuzufügen. Ich fand, dass rutschte ihm in einem Anflug von ehrlich gemeinter Anteilnahme raus. Stromberg setzt zu dem Thema nochmal an, als er halb aus dem Büro hinter Wehmeyer herruft und hält dann aber inne, als er sich der Kamera bewusst wird. Das könnte man wieder so oder so interpretieren. Um sich zu schützen oder um Jochen zu schützen!? Mein erster Eindruck war letzteres. Beim zweiten Mal ansehen, hielt ich aber auch ersteres für durchaus denkbar. Muss jeder selbst entscheiden.
Die letzte Szene zwischen Stromberg und Jochen spricht eher dafür, dass es Stromberg leid tut, was passiert ist. Wiederum kanns aber auch anders interpretiert werden.
Die allerletzte Szene ist ziemlich Slapstick. Aber da die Folge ansonsten davon wenig zu bieten hatte, kommts einfach gut und war auch lustig. Ulf bezeichnet die Aktion als "Anitdiskriminierungswochen", als sei es so eine Aktion wie bei McDonald's. ^^
Ulf lässt seinen ganzen angestauten Mobbingtrieb in wenigen Sekunden raus und greift Ernie im Zitat: "Ja! Is Harmonie du Arschloch!" schön wieder auf. Die Sache mit dem Messer war dann auch echt zum Lachen.
Klasse Episode im traditionellen Stromberg-Stil. Das lag vorallem daran, dass auch alle Rollen wieder ähnlich angelegt sind, wie in der ersten Staffeln. Das soll die ersten Folgen der 3. Staffel aber keineswegs schlecht machen. Ein Thema mit Tiefgang und unzähligen Details, die grade echte Fans zufriedenstellen. Alles richtig gemacht. Von mir gibts 10/10.
Geändert von abraxos (03.04.2007 um 22:42 Uhr).
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